Leiterkarten

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Leiterkarten

Beitragvon andreas » Sa 1. Mai 2010, 18:31

Hallo Allerseits,

nachdem ich das Drahtgefummel auf Lochrasterkarten leid bin, habe ich mich seit vielen Jahren mal wieder der Leiterkartenherstellung zugewandt. Da gibt es heute genug Verfahren, man muß sich nur eines aussuchen. Früher habe ich die Dinger von Hand bemalt und geätzt, nun wollte ich mir wenigstens das manuelle Zeichnen sparen.

Also einen alten Sekonic-Stiftplotter SPL-430 herausgekramt und den mit einem Roland-Treiber für den RP-21 unter W2k an der LPT zum Laufen bekommen. Passende HPGL-Dateien gibt ein aktuelles Kicad bereits her, ältere Versionen können das nicht so gut. Ein gespiegelter Linien-Plot mit einer dicken Stiftgröße ergibt recht schnell ein Ergebnis.

Geeignete Zeichenstifte für Leiterkarten habe ich nicht, nur eine Reihe an Einweg-Plotterstiften mit normaler Farbe, für diesen Zweck unbrauchbar. Die Umarbeitung handelsüblicher Permanent-Marker für die Stifthalterung im Plotter ist kompliziert, habe ich nach wenigen Versuchen aufgegeben. Also einen der alten Plotterstifte zerlegt, das Gehäuse gesäubert und dort mit einem Schuß Heißkleber eine gewöhnliche Einweg-Kanüle eingesetzt, so daß deren Konus am offenen Stiftende bündig abschloss. Die Kanülenspitze schaut an der Schreibspitze des Stiftes weit heraus und kann dort bei noch heißem Kleber mittig justiert werden; das andere Ende der Kanüle sitzt im Stiftgehäuse und zentriert sich so selbst. Vermittels eines weiteren Plotterstiftes habe ich die Länge der Spitze auf die Kanüle übertragen und diese dort glatt mit einer winzigen Trennscheibe abgeschnitten. Den Schnitt entgratet und ein wenig poliert, ist der neue Tuschestift fast fertig:

Plotterstifte.jpg
Links Original, rechts mit Kanüle
Plotterstifte.jpg (5.33 KiB) 8034-mal betrachtet

Die Kanüle ist mit 1 mm Durchmesser eigentlich zu dick, sie stammt von einen Tintenpatronen-Nachfüllsatz. Beim ersten Versuch mit Edding-Nachfülltusche ist die Farbe recht zügig durchgelaufen, der Durchlaß in der Kanüle ist also zu hoch. So kam noch ein Stück 0,5er Schaltdraht mit in die Kanüle, was den Durchlaß stark verringert. So hält sich nun die Farbe aufgrund der Kapillarwirkung zwischen Draht und Kanüle selbst und wird erst durch den Kontakt zur Leiterkarte herausgezogen.

Die ersten Plotversuche sehen recht gut aus, wenn man den zu großen Durchmesser bedenkt:

Leiterkarte1.jpg
Anfangs geht es meist schief
Leiterkarte1.jpg (18.97 KiB) 8032-mal betrachtet

Nächster Versuch, nun mit Draht in der Kanüle:

Leiterkarte2.jpg
Schon besser, aber Tank leer
Leiterkarte2.jpg (22.28 KiB) 8033-mal betrachtet

Die Lötaugen noch etwas kleiner gemacht, nach dem Plotten von Hand korrigiert:

Leiterkarte4.jpg
Nun kann geätzt werden
Leiterkarte4.jpg (40.44 KiB) 7951-mal betrachtet

Mit dünneren Kanülen sollte es noch besser gehen.

Zum Plotten auf die Leiterkarte (ich hatte hier eine recht dünne mit 0,5 mm Dicke benutzt) habe ich ein normales A4-Blatt in den Plotter eingelegt und zuerst nur den Kartenumriß mit einem normalen Stift geplottet, dann dort die zugeschnittene Leiterkarte aufgelegt und an den vier Ecken mit Klebeband fixiert. Den Stift gewechselt, mit einem Tropfen Edding-Tusche befüllt und nur die Lötseite ohne Umriß geplottet. Der Stift läßt sich danach mit Spiritus auswaschen und bleibt bis zur nächsten Leiterkarte trocken liegen.

MfG. Andreas
Zuletzt geändert von andreas am So 2. Mai 2010, 12:49, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Leiterkarten

Beitragvon Bernd » So 2. Mai 2010, 11:42

Wo für doch so ein alter Plotter, den ich früher mit offenen Mund bestaunte, noch alles gut sein kann.
Mich haben die Dinger immer fasziniert und ich wollte sogar mal selber einen bauen der analog arbeitete.

Mal was anderes, was ist denn mit deinen Bildern passiert ? Die sind so extrem pixelig das ich immerzu
blinzeln muss beim Betrachten. Falls du sie klein halten wolltest um mir Speicherplatz zu sparen so
kann ich dich beruhigen das genug Speicherplatz vorhanden ist.

Grüsse

Bernd
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Re: Leiterkarten

Beitragvon andreas » So 2. Mai 2010, 13:01

Hallo Bernd,

so manch altes Schätzchen ist intakt und zu schade zum Verschrotten, auch wenn man über längere Zeit nichts damit anstellen kann. Für einen ähnlich alten Plotter SE293 von BBC Goerz Metrawatt habe ich aktuell weder Stifte noch Treiber, aber der ist in Ordnung und bleibt eben stehen, falls man ihn mal braucht.

Die Bilder sind schlecht, weil ich sie mit einer geringen (VGA-) Auflösung gemacht habe. Und die alte Kamera ist auch nicht die beste, läuft nur noch am Netzteil wegen Stromhunger. Ich habe das letzte Bild mal durch ein besseres ersetzt. Die Dinger dienen doch letztlich nur der Übersicht, für eine wirklich gute Darstellung hätte ich den Scanner anwerfen müssen.

MfG. Andreas
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Re: Leiterkarten

Beitragvon andreas » So 2. Mai 2010, 22:01

Aus reiner Neugier mal den alten SE293 hergewuchtet, entstaubt und seriell an den Pc geklemmt. Vor Jahren habe ich wohl mal einen Adapter für HP-Stifte gebaut, der lag jedenfalls noch im Gerät samt zweier Stifte drin. Die internen Testplots macht er prima, auch im Monitor-Mode gibt er brav die empfangenen Daten als Text aus. Und das deutsche Handbuch dazu ist auch aufgetaucht... Zwei Stunden später gibt es nun ein Konsolenprogramm (14 kB, 100 Zeilen PureBasic-Quelldatei), was HPGL-Dateien auf diesem Plotter zu Papier bringt. Sicher noch nicht perfekt, aber als erster Ansatz ausreichend, um so einen Plotter heute noch nutzen zu können. Immerhin war das um 1985 herum der "Porsche" unter den Plottern und um Längen besser als der doch eher schlichte Sekonic.

MfG. Andreas
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Re: Leiterkarten

Beitragvon andreas » Sa 15. Mai 2010, 15:35

Die Ortsapotheke hat mir ihren Bestand an Kanülen zum Tresen getragen und ich habe einige mitgenommen. Bei 10 Cent pro Stück kann man nicht viel falsch machen. Nun habe ich auch 0,45er und 0,60er Kanülen; leider sind die dünnen arg kurz, ich habe sie nur mit Mühe im stark gekürzten Plotterstift unterbringen können. Also keine 12 mm langen Kanülen kaufen, die sind zu knapp zum Plotten.

Der erste Plotversuch mit 0,45er Spitze fing gut an, endete jedoch mit Schaden. Ein etliche Jahre altes Edding-Tintenfaß mußte als Spender für die Farbe herhalten, damit gab es prima Lötaugen. Als dann die Leiterzüge dran waren, herrschte Trockenheit trotz genug Tinte. Im Laufe der Jahre ist die Tinte wohl klumpig geworden. Weitere Versuche sind dann nur mit aktueller Tinte erfolgt. Dabei war auch wieder der Durchlaß der Kanüle zu hoch, also ein 0,05er Lackdraht in die Kanüle eingesetzt. Noch zu dünn, mit einem 0,18er paßte es aber. Mit dieser Bestückung habe ich folgende Leiterkarte bemalt:

leiterkarte5.jpg
leiterkarte5.jpg (49.81 KiB) 7755-mal betrachtet

Der gefüllte Plot aus dem Kicad meint es mit der Deckung zu gut und fährt mehrfach über bereits bemalte Flächen. Außerdem dauert es so sehr lange mit dem Plotten. Um dem ein wenig abzuhelfen, habe ich die HPGL-Plotdatei per Editor gekürzt. Das ist z.B. ein originales 2-mm-Lötauge, drei Kreise ineinander:

Code: Alles auswählen
PU;PA 3622,4081;CI 30;
PA 3622,4081; CI 16;
PA 3622,4081; CI 2;


Alle " CI 16;" und " CI 2;" entfernt, gibt es nur noch den Außenkreis, welcher somit auch ein Bohrloch enthält. Auch die 0,8er Leiterzüge werden an den Enden mit Kreisen schön rund gemacht:

Code: Alles auswählen
PU;PA 3520,2704;CI 6;
PU;PA 3520,2908;CI 6;


Nun die "CI 6;" entfernt. Die dickeren 1,5er Leiterzüge bekommen gleich zwei Kreise an den Enden:

Code: Alles auswählen
PU;PA 4285,3877;CI 20;
PA 4285,3877; CI 6;
PU;PA 4183,3877;CI 20;
PA 4183,3877; CI 6;


Also auch die "CI 20;" raus. Das ergibt insgesamt nur wenig Überlappung beim Plotten und es geht erheblich schneller, braucht nach dem Gefühl nur noch ein Viertel der Plotzeit. Sicher könnte man das auch anders erledigen, aber ich wollte ein schnelles Ergebnis haben.

MfG. Andreas
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