Auswuchten eines Horizontalläufers

Auswuchten eines Horizontalläufers

Beitragvon bernhard8 » Fr 21. Mai 2010, 20:06

Falls jemand von euch gute Ideen dafür hat wäre das hilfreich für mich.

Wir haben bei unserem Rotor eine leichte Unwucht drinnen. Demnächst wird der Mast umgelegt um das zu korrigieren.

Damit ich das Ergebnis gut testen kann habe ich vor mit einem zweiten Generator (wird vermutlich mit Traktor - Zapfwelle angetrieben bzw. in der Drehzahl gesteuert) den Generator/Rotor anzutreiben. Dadurch sollten wir das Ergebnis bei verschiedenen Drehzahlen beobachten können, wir sind nicht auf Wind angewiesen.

Hat jemand gute Tipps zum Wuchten selbst? (statische/dynamische Unwucht bzw. wie geht am besten vor um ein gutes Ergebnis zu erzielen)
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Re: Auswuchten eines Horizontalläufers

Beitragvon andreas » Fr 21. Mai 2010, 22:55

Hallo Bernhard,

Unwuchten sind leider typisch für Eigenbauten, aber korrigierbar. Mein Horizontalrotor hat mehrere Montagen erfahren, dabei auch diverse Auswuchtungen. Das Ergebnis ist nun so gut, daß ich daran nichts mehr ändern möchte. Immerhin läuft das Teil an, bevor die Blätter an den umliegenden Bäumen beginnen, im Wind zu wackeln...

Zunächst ist es sinnvoll, jedes Einzelteil von Generator und Rotor auszuwuchten. Man baut so ein Gebilde ja in mehreren Stufen auf, da lohnt in jedem Arbeitsgang ein Kontrolle der Unwucht und oft ist eine Korrektur nötig.

Hier habe ich die erste Generatorscheibe mit den Magneten montiert und ausgewuchtet. Da die Lagerung sehr leichtgäng ist (Festplatten-Spindellager), reichte das Anbringen von einem kleinen Gewicht (habe dazu ebenfalls kleine bis winzige Magnete benutzt) quer zur Achse horizontal auf dem Umfang der Teile. Zieht das Gewicht an jeder Stellung den Rotor nach unten, ist es noch zu schwer. Mit abnehmenden Gewichten kann man den Punkt finden, wo eine statische Unwucht auftritt. Hier reichte dann jeweils ein mehr oder weniger harter Schlag radial gegen die Generatorscheiben, um sie in der nur leicht angezogenen Spindelaufnahme zu verschieben. Läuft die erste Scheibe perfekt, wird sie mit drei Tropfen Kleber fixiert und die zweite erfährt die selbe Prozedur.

Nach Montage der Nabe (kann je nach Konstruktion unterschiedlich sein) wird diese ebenso ausgewuchtet und fixiert. Aber das waren nur die Vorarbeiten, um keine Unwuchten außerhalb der Rotorebene zu haben. Den deutlich größeren Anteil der Unwucht bringen die Blätter selber mit sich.

Bei der Erstellung der Blätter sollte man viel messen und vergleichen, ggf. nacharbeiten. Entscheidend ist letztlich das Gewicht und der Schwerpunkt der Blätter. Der Schwerpunkt läßt sich auf einem Winkeleisen mit Dreieck nach oben auspendeln; er sollte bei allen Blättern beim gleichen Radius liegen. Bei aufliegender Spitze bzw. Wurzel des Blattes kann man die Wurzel- und Spitzengewichte vermessen, auch sie sollten zum Schluß gut gleich sein. Übliche Haushaltswaagen schaffen um 1 g Auflösung, größer sollte die Blattdifferenz aller Messungen also nicht sein.

Leider ist damit die Auswuchtung immer noch nicht zu Ende, denn es folgt noch die recht kritische Montage der Blätter auf der Nabe. Dabei sind die Blattspitzen sowohl in eine umlaufende Kreislinie zu bringen als auch der Spitzenabstand muß unbedingt gleich sein. Das ist eine knifflige Arbeit, für die man sich Zeit nehmen muß. Allein in der Luft der Befestigungen steckt viel Platz für Unwuchten, die man später kaum noch korrigieren kann.

Ist das alles erfolgreich absolviert, kann man das Windrad komplett testen - natürlich in einem abgeschlossenen Raum ohne Luftzug. Im Idealfall pendelt das Windrad nach leichtem Anschieben nicht aus, sondern bleibt in jeder Lage stehen. Da man die Güte der Lagerung kaum bewerten kann, sollte man auch da mit an die Blätter angehängten Gewichten arbeiten, um eine in der Lagerreibung untergehende Unwucht zu erkennen. Zur Korrektur an dieser Stelle habe ich nur noch Lack benutzt, also zu leichte Teile mit etwas mehr Farbe versehen.

Wichtig zum Abschluß: Blätter in der Nabe zusätzlich und unabhängig von der eigentlichen Aufhängung fixieren (z.B. je zwei Extra-Bohrungen mit Holzschrauben oder Stiften drin). Alle Teile beschriften oder eindeutig markieren - es dürfen später keine Verwechslungen mehr vorkommen, sonst fängt man wieder von vorn an.

Nach einer sorgfältigen Auswuchtung läuft so ein Windrad bis über tausend Touren hoch nahezu vibrationsfrei und reagiert sehr empfindlich auf geringsten Wind.

MfG. Andreas
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Re: Auswuchten eines Horizontalläufers

Beitragvon windstav » Sa 22. Mai 2010, 11:59

Hallo,
als ich die Beiträge las , kam mir eine Idee.
Könnte man den fertigen Rotor nicht in diese Geräte zum Auswuchten von Autorädern einspannen?
Hat das jemand schon mal versucht?

Gruß
Stav
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Re: Auswuchten eines Horizontalläufers

Beitragvon buffalo » Sa 22. Mai 2010, 13:18

Hallo Stav

Ich denke nicht. Diese Geräte drehen einerseits sehr hoch, vermutlich schneller, als ein Windrad erreicht (kann mich aber auch irren), und andererseits wirst du vermutlich nur ein sehr kleines Windrad darin einbauen können.

LG
Friedrich
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Re: Auswuchten eines Horizontalläufers

Beitragvon Wind_Stefan » Sa 22. Mai 2010, 15:59

Hallo Bernhard,

hier mal ein link zu einer Seite die das Auswuchten der Rotorblätter von einer ganz anderen Seite angeht, leider in englisch. :oops:
http://www.mindchallenger.com/wind/axial13.html
Gruß
Stefan
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Re: Auswuchten eines Horizontalläufers

Beitragvon bernhard8 » So 23. Mai 2010, 14:01

Danke für die Tipps. Das mit der Seilaufhängung ist super, der hat zufälligerweise praktisch das gleiche wie wir gebaut. Vermutlich werde ich's so probieren.
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Re: Auswuchten eines Horizontalläufers

Beitragvon bernhard8 » Fr 6. Aug 2010, 14:09

Herzlichen Dank nochmal für den Tipp. Wir haben nun dem Rotor in der Garage aufgehängt und genauso gewuchtet:
Bild

Das fehlende Gewicht haben wir durch mehrmaliges Streichen mit Epoxydharz aufgetragen. Nach dem Streichen hing der Rotor wirklich waagrecht. Jetzt läuft er wirklich schön rund. Das ganze funktioniert ganz sicher viel genauer als wenn man versucht den Rotor horizontal zu montieren.

Mehr Details hab ich hier notiert:
http://bernhard-raab.blogspot.com/2010/ ... chtet.html
Zuletzt geändert von bernhard8 am Mi 27. Jul 2011, 07:30, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Auswuchten eines Horizontalläufers

Beitragvon jb79 » Mo 16. Aug 2010, 20:37

windstav hat geschrieben:Hallo,
als ich die Beiträge las , kam mir eine Idee.
Könnte man den fertigen Rotor nicht in diese Geräte zum Auswuchten von Autorädern einspannen?
Hat das jemand schon mal versucht?

Gruß
Stav


Wie schon erwähnt: die Drehzahl wäre wohl zu hoch und von den Abmessungen könnte es auch eng werden.
Reifenwuchtgeräte sind außerdem eher nur für Unwuchten von wenigen Gramm (so 50-100) geeignet.
lg Jürgen
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